PhET Simulations: 150+ interaktive Wissenschaftslabore im Browser, ohne Registrierung

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Stell dir ein Physiklabor vor, in dem du die Zeit fast anhalten, die Schwerkraft abschalten oder eine Schaltung aufbauen kannst, ohne dir über Kurzschlüsse Gedanken zu machen. Und das alles in einem Browser-Tab, ohne Registrierung und ohne Kosten. Das ist PhET Interactive Simulations — ein Werkzeug, das die STEM-Bildung seit über zwei Jahrzehnten still und leise verändert.

Was PhET eigentlich ist

PhET (Physics Education Technology) startete 2002 an der University of Colorado Boulder als Forschungsprojekt mit einer Frage: Warum haben Schüler und Studierende so große Schwierigkeiten mit naturwissenschaftlichen Konzepten? Die Antwort war erstaunlich klar: Abstrakte Ideen müssen erfahren werden — nicht nur gelesen.

Das Ergebnis ist eine Bibliothek mit über 150 interaktiven HTML5-Simulationen, die folgende Bereiche abdecken:

  • Physik — schiefer Wurf, Welleninterferenz, Schaltkreise, Quantenmechanik
  • Chemie — Säure-Base-Lösungen, Molekülstrukturen, Ausgleichen chemischer Gleichungen
  • Biologie — natürliche Selektion, Genexpression
  • Geowissenschaften — Plattentektonik, Treibhausgaskonzentrationen
  • Mathematik — Flächenmodelle, Brüche, Funktionsgraphen, Funktions-Builder

Du öffnest eine Simulation und fängst an zu experimentieren. Das war’s. Kein Kapitel, das du zuerst lesen musst. Kein Quiz zum Bestehen. Kein Account zum Anlegen.

Was dich beim Öffnen einer Simulation erwartet

Du möchtest verstehen, wie Wellen sich ausbreiten. Du öffnest die Welleninterferenz-Simulation. Innerhalb von Sekunden siehst du eine Wellenwanne, die du per Klick steuern kannst. Du wechselst zwischen Wasser-, Schall- und Lichtwellen, fügst eine zweite Quelle hinzu und beobachtest in Echtzeit, wie das Interferenzmuster entsteht. Eingebaute Werkzeuge ermöglichen Messungen von Amplitude, Frequenz und Wellenlänge.

Die Simulation sagt dir nicht, was du entdecken sollst. Sie gibt dir die Regler und lässt dich machen. Das ist bewusst so — das Forschungsteam von PhET hat umfangreich publiziert, warum geführtes Entdeckungslernen passive Instruktion beim Aufbau echten Konzeptverständnisses übertrifft.

„Wenn Studierende mit einer Simulation interagieren, konstruieren sie eigene mentale Modelle, anstatt die von jemandem anderen zu übernehmen. Genau diese aktive Konstruktion sorgt dafür, dass Verständnis bleibt.” — Basierend auf den Forschungspublikationen von PhET

Jede Simulation basiert auf physikdidaktischer Forschung. Das Team der CU Boulder führt Nutzerstudien durch, um zu prüfen, ob Studierende tatsächlich von der jeweiligen Simulation lernen — bevor sie veröffentlicht wird.

Die Login-freie Erfahrung

Du gehst auf phet.colorado.edu, stöberst nach Fach oder Klassenstufe, klickst auf eine Simulation — und sie lädt. Kein Modal, das nach deiner E-Mail fragt. Kein „Registriere dich kostenlos, um weiterzumachen”. Keine Tracking-Wall.

Es gibt eine optionale Lehrerfunktion mit Account — für Klassenraummanagement, Aufgabenverwaltung, Fortschrittsverfolgung und das Teilen von Simulationskonfigurationen. Aber das ist eine zusätzliche Ebene für Lehrkräfte, die sie brauchen. Die Simulationen selbst sind vollständig offen.

Das macht PhET zu einem der besten Beispiele für eine wirklich öffentliche Bildungsressource: Der Inhalt ist das Produkt — kein Köder für die Nutzerakquise.

Vergleich das mit vielen „kostenlosen” Lernplattformen, die eine E-Mail-Adresse verlangen, bevor du irgendetwas Sinnvolles nutzen kannst. PhETs Ansatz respektiert die Zeit und Privatsphäre der Lernenden — ohne Abstriche bei der Qualität.

Unter der Haube: Open Source, aktiv gepflegt

PhETs Code liegt auf GitHub in der phetsims-Organisation. Jede Simulation hat ihr eigenes Repository, geschrieben in JavaScript/TypeScript mit einem eigens entwickelten Framework namens Scenery für das Rendering. Die Kerninfrastruktur steht unter MIT-Lizenz.

Seit 2002 wird das Projekt kontinuierlich weiterentwickelt — für eine offene Bildungsressource eine ungewöhnlich lange Laufbahn. Finanziert wurde es unter anderem von der National Science Foundation, der Hewlett Foundation und der Gates Foundation. Das erklärt, wie ein Universitätsforschungsprojekt dieses Niveau an Qualität und Umfang erreichen konnte.

Stand 2026 fügt das Team weiterhin neue Simulationen hinzu und aktualisiert bestehende. Die Migration von Flash und Java zu HTML5 (abgeschlossen um 2020) war ein enormer Aufwand, der den Katalog aktuell und mobilfreundlich hält.

Vergleich mit anderen visuellen Lerntools

Wenn du mit quantitativen Fächern arbeitest, bist du vermutlich schon auf ähnliche Login-freie Tools gestoßen. Ein kurzer Überblick:

ToolThemenbereichInteraktivitätsniveauAccount erforderlich
PhETNaturwissenschaften + Mathe (breit)Hoch — vollständige LaborkontrolleNein
DesmosMathematik (Graphen)Hoch — funktionsbasiertNein
GeoGebraMathe + GeometrieHoch — dynamische GeometrieNein
VisuAlgoAlgorithmen (Informatik)Mittel — schrittweise VisualisierungNein
Python TutorProgrammierungMittel — Code-Ausführungs-TraceNein

PhET nimmt eine einzigartige Position ein: Es ist das einzige Tool in dieser Liste, das Physik und Chemie in dieser Tiefe abdeckt — und das durch Simulation statt durch Visualisierung abstrakter Daten.

Desmos und GeoGebra sind für Mathematik hervorragend und lohnen sich in Kombination mit PhET. Aber wenn du verstehen willst, warum sich ein geladenes Teilchen in einem Magnetfeld auf bestimmte Weise verhält oder wie eine Pufferlösung den pH-Wert aufrechthält, kommen diese Tools nicht weiter.

PhET praktisch einsetzen

Für Schüler und Studierende, die selbst lernen: Such dir die Simulation aus, die zu deinem konkreten Verständnisproblem passt. PhET funktioniert am besten, wenn du eine spezifische Frage hast. Versuch nicht, „alles zu erkunden” — beginne mit einer Variable, verändere sie, beobachte was passiert, forme eine Hypothese und teste sie.

Zur Prüfungsvorbereitung: Viele PhET-Simulationen decken direkt Standard-Themen aus Physik und Chemie ab — Coulombsches Gesetz, Wellenoptik, ideales Gasgesetz, Säure-Base-Gleichgewichte. Eine Simulation beim Wiederholen laufen zu lassen kann Intuition festigen, die bloßes Formel-Auswendiglernen nicht aufbaut.

Für Lehrkräfte in browserbeschränkten Unterrichtsräumen: Alle Sims laufen in jedem modernen Browser ohne Installation. Schüler mit Chromebooks oder gesperrten Schulgeräten können über den Webbrowser auf alles zugreifen.

Aus reiner Neugier: Die Gravitations- und Orbits-Simulation ist es wert, geöffnet zu werden — einfach um die Sonne zu verschieben und zu beobachten, wie die Planeten reagieren. Der Schaltkreis-Bausatz macht auch jemandem richtig Spaß, der nie Physik hatte.

Ein Wort zur Privatsphäre

PhET erhebt nur minimale Daten. Die Website nutzt Standard-Analytics, um zu verstehen, welche Sims am meisten verwendet werden — aber die Simulationen selbst laufen vollständig clientseitig. Da es standardmäßig keine Nutzerkonten gibt, werden keine Nutzerdaten gespeichert. Deine Lernsession existiert nur in deinem Browser-Tab.

Das passt gut zur übergeordneten Idee privatsphärefreundlicher, Login-freier Tools — Tools, die ihre Aufgabe erfüllen, ohne Nutzer als Datenpunkte zu behandeln. Du kannst PhET im privaten Browsermodus nutzen, und die Erfahrung ist identisch.

Der Wert von Simulationen, die man “kaputtmachen” kann

Eines der stärksten Features von PhET ist, dass du nichts wirklich kaputtmachen kannst. Du kannst die Schwerkraft auf null setzen, einen Baseball mit 10.000 Metern pro Sekunde abfeuern oder eine Schaltung aufbauen, die echte Kabel schmelzen würde. Die Simulation läuft weiter. Sie verarbeitet das Unmögliche und zeigt dir, was passieren würde.

Das kann kein echtes Physiklabor leisten. Echte Labore haben Grenzen — begrenztes Material, Geräte, die kaputtgehen, Sicherheitsvorschriften, die bestimmte Experimente verbieten. Eine Browser-Simulation kennt keine dieser Einschränkungen.

Extremfälle testen zu können ist genau das, wo echtes Verständnis entsteht. Wenn du in der Simulation siehst, dass das Ohm’sche Gesetz bei 0,1 Volt genauso gilt wie bei 10.000 Volt, wird die Beziehung zwischen Spannung, Strom und Widerstand real — auf eine Weise, die das bloße Lesen der Formel nie erreicht.

PhET macht das schon seit der Zeit vor Smartphones — still, kostenlos und ohne irgendetwas dafür zu verlangen. Ruf es im Browser auf: Es ist noch da, kein Login nötig.